13 - Zweiter Blick – Mirar de Nuevo | 2026

Heidi Rickenbacher, Yarina Kennel und Joshua Seewer (Wydehöfli)

Kunstwerk: Interaktive Installation

ca. 225 × 120 × 80 cm (H × B × T)
CHF 8'575.–

Eine rote Tür steht im öffentlichen Raum. Sie ist geschlossen. Durch das Milchglas lassen sich Formen und Farben erahnen – gerade genug, um etwas zu sehen, aber zu wenig, um zu wissen, was sich dahinter befindet. Und trotzdem beginnen wir bereits, uns ein Bild zu machen.

Weniger verstehen, mehr sehen.

«Zweiter Blick – Mirar de Nuevo» beschäftigt sich mit der Frage, wie wir Menschen wahrnehmen und wie schnell aus dem ersten Blick Vermutungen und Zuschreibungen entstehen. Erst wer die Tür öffnet, erhält Zugang zu dem, was dahinterliegt: zur individuell gestalteten Lebenswelt eines Menschen – zu Erinnerungen, Beziehungen, Interessen, Erfahrungen und persönlichen Werten.

Die Schlüssel stehen dabei für Werte, die Beziehung und Zugang ermöglichen. Denn jede Person hat ihre eigene Tür – und nicht jede Tür lässt sich mit demselben Schlüssel öffnen.

Auf der Innenseite der Türe werden die Besuchenden selbst Teil des Werkes. Sie gestalten einen Schlüssel mit einem Wert, der für das Öffnen ihrer eigenen Tür entscheidend ist, und hängen ihn an die Innenseite der Türe. So entsteht im Verlauf der Ausstellung eine wachsende Sammlung persönlicher Werte – und damit ein Bild davon, was Menschen brauchen, um sich anderen zu öffnen.

Diese Haltung widerspiegelt auch die Arbeit im Wydehöfli. Menschen zu begleiten bedeutet für uns, nicht von aussen zu bestimmen, was hinter ihrer Tür liegt. Soziale Arbeit ist Beziehungsarbeit. Sie braucht Respekt, Offenheit und die Bereitschaft, sich auf die subjektive Lebenswelt eines Menschen einzulassen. Nicht das vermeintliche Verstehen steht am Anfang, sondern das Sehen und Wahrnehmen des Menschen und seiner eigenen Wirklichkeit.

Weniger verstehen, mehr sehen. Nicht durch das Milchglas urteilen – sondern die Tür öffnen.

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